Rückblick 2017

Rückblick: Fachforum planen - bauen - nutzen 2017

Am 2. Februar 2017 fand das 9. Fachforum planen - bauen - nutzen in der Florido Lounge in Wien statt. Das rege Interesse und die hohe Besucherzahl beweisen, dass mit dem Thema "Digitalisierung" einmal mehr die aktuellen Bedürfnisse getroffen wurden.

BIM ist in aller Munde und wird vorrangig mit Software in Verbindung gebracht. Die Intention des diesjährigen Fachforums war es daher, die Verständnisfrage "Was ist BIM?" zu klären und das Thema Digitalisierung auf eine andere Ebene zu stellen, nämlich auf die Organisationsebene. BIM ist mehr als Building Information Modeling. BIM bedeutet nicht nur digitale Planung, sondern ist ein ganzheitliches Konzept, das die Veranstalter Bauherren-Informations-Management nennen.

Michael Jug (think project! Österreich) ging im ersten Vortrag der Frage nach "Wie setzt man BIM und die Digitalisierung um". Es beginnt bei der Definition der Umwelt, d.h. erstens der Projektbeteiligten, zweitens der Abläufe und drittens der Dokumentation. Daraus leiten sich der Einsatz der IT-Systeme und deren Einordnung in die IT-Infrastruktur ab. Vergessen wird dabei oft, dass die verwendeten Programmsysteme nicht alle Bereiche abdecken. Digitalisierung bedeutet, diese Bereiche mit Brücken zusammenzuführen. BIM Collaboration bietet Möglichkeiten, alle für den Projekterfolg erforderlichen Systeme zu vernetzen.

"Digitalisierung bedeutet nicht, einfach ein Programm zu kaufen. Digitalisierung bedeutet, eine Organisationsänderung durchzuführen", betont Michael Jug. Ein weiterer Irrtum bei der Verwirklichung von BIM sieht er in der Zuständigkeit. "Digitalisierung erfolgt durch das Management und nicht durch die operative Ebene", so Michael Jug. Die Digitalisierung endet nicht mit digitalen Daten wie pdfs oder jpgs, sondern startet, wenn Prozesse über mehrere IT-Systeme abgewickelt werden. Das muss selbstverständlich sein, um eine erfolgreiche BIM-Verwirklichung im Unternehmen umzusetzen. Der Geschäftsführer von think project! Österreich geht davon aus, dass bei Infrastrukturprojekten im Jahr 2023 BIM Collaboration in der Planungs- und Bauphase Alltag sein wird, so wie Internetplattformen heutzutage. Daher sei es wichtig, bereits jetzt die Basis und die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Im zweiten Vortrag von Herrn Thomas Schnabl (PREVERA) ging es darum, BIM neben Building Information Modeling auch als Bauherren-Informations-Management zu sehen. Die BIM-Methode von PREVERA ermöglicht, dass Daten der Planungs- und Bauphase für eine spätere Nutzung im Betrieb zusammengeführt werden. Informationen aus der Planung werden für das Facility Management zur Verfügung gestellt. Diese Methode wird bei einigen Krankenhausprojekten bereits erfolgreich angewendet, wie beispielsweise dem Inselspital Bern. Das Grundprinzip der BIM-Methode lautet: Aus BIM wird BIM, d.h. alle Daten aus dem Modell (= Building Information Modeling) werden in ein Bauherren-Informations-Management-System übergeleitet. Im Betrieb geht es um andere Prozesse und es sind andere Personen involviert, wie beispielsweise Instandhaltung, Flächenmanagement oder Reinigung. Die BIM-Methode berücksichtigt genau diese Themen und stellt die Daten für die Anforderungen der neuen Prozesse und Personen bereit.

Bei der BIM-Methode wird die Komplexität der Daten aus dem Gebäudemodell und anderen Metadaten reduziert, und zwar durch die Einführung einer Typisierung. Bei der Typisierung werden durch Zusammenführung von Instanzenattributen aus dem CAD-Modell und Typenattributen (z.B. aus dem Raumbuch) eindeutige Typen definiert und in einer zentralen Datenbank erfasst und gepflegt. Die Typisierung hat den Vorteil, dass sich Änderungen beim Typen in der gesamten Datenbank auswirken und die geänderten Eigenschaften auf abhängige Elemente übertragen. Die Typisierung kann sowohl für Bauteile als auch für Ausstattung angewendet werden, aber auch übergeordnet für Raumtypen.

Alle Projekte, bei denen die BIM-Methode derzeit im Einsatz ist, haben gemeinsam, dass sie Leuchtturmprojekte sind, eine gewisse Komplexität haben und der Bauherr gleichzeitig der Nutzer ist. Ab einer Größe von ca. 700 Räumen und mehreren Tausend AKS-Nummern ist die BIM-Methode zu empfehlen.

Nach einer Pause ging Herr Gerhard Sendlhofer, Geschäftsführer von COOR, der Frage nach, ob Projektcontrolling und Buchhaltung zwei getrennte Welten sind.

Im Anschluss an die Vorträge nutzen die Teilnehmer noch die Möglichkeit zur Diskussion und um Detailfragen zu klären. Das Fachforum fand seinen Ausklang bei Kaffee und Buffet, diesmal leider ohne Aussicht inmitten der Nebelgrenze von Wien.

Impressionen vom Fachforum 2017

"Impulse mitgeben und Information vermitteln sind die Anliegen des Fachforums planen - bauen - nutzen. Lassen Sie sich inspirieren!" Mit diesen einleitenden Worten begrüßten die Veranstalter Gerhard Sendlhofer (COOR), Michael Jug (think project!) und Thomas Schnabl (PREVERA) die zahlreichen Teilnehmer, unter denen sich auch heuer wieder viele Stammgäste befanden.