Rückblick 2019

Rückblick: Fachforum planen - bauen - nutzen 2019

Die Location war neu, die Beiträge der Vortragenden waren dennoch gewohnt spannend. Die Digitalisierung bleibt auch für 2019 das führende Thema. Mit der Aussage „Digitalisierung ist Chefsache“ spiegelt sich wider, was in der Bauwirtschaft aktuell immer stärker zu spüren ist. Sie wird immer öfter zum wichtigen Teil der Unternehmensstrategie.

Mehr als 80 interessierte Besucher sind der Einladung der 3 Veranstalter Gerhard Sendlhofer (COOR), Thomas Schnabl (PREVERA) und Michael Jug (think project!) gefolgt. Besonders bemerkenswert war eine hohe Anzahl an neuen Gesichtern von unterschiedlichsten Bauherren bzw. Auftraggebern.

Der erste Vortrag von Herrn DI (FH) Johannes Wiesinger [IfEA Institut für Energieausweis GmbH, Linz] mit dem Titel „Objektsicherheitsprüfungen nach ÖNORM B 1300 und B 1301 mit PREVERA TO GO“ gab einen umfassenden Einblick in die 2-jährige Erfahrung bei softwaregestützten Sicherheitsbegehungen von großvolumigen Gebäuden und Industriebetrieben.

IfEA ist ein Tochterunternehmen der Energie AG Oberösterreich Power Solutions GmbH und Spezialdienstleister für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Objektsicherheitsprüfungen nach ÖNORM B 1300 (für Wohngebäude) und nach ÖNORM B 1301 (für Nichtwohngebäude), die mit der webbasierten Software PREVERA TO GO organisiert und durchgeführt werden.

Gebäudeeigentümer sind für die Sicherheit von Gebäuden verantwortlich und müssen im Fall, dass sich jemand verletzt oder ein Schaden entsteht, beweisen, dass sie im Rahmen ihrer Betreiberverantwortung dafür gesorgt haben, Gefahren abzuwenden. Der sogenannte „Handlauf-Fall“, der mit einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ausging, führte zur Einführung der ÖNORMEN B1300 und B1301, die die Objektsicherheitsprüfungen regelt. Deren Einhaltung gibt dem Gebäudeeigentümer im Schadensfall die Sicherheit bei der Umkehr der Beweislast und entlässt ihn aus der Haftung.

Mit der Software werden die Checklistenpunkte der ÖNORM oder eigene Punkte abgearbeitet. Bei 500 Prüfpunkten pro Begehung ist der Anspruch an die Software hoch. Neben der reinen Erfassung eines Mangels gibt es die Möglichkeit, gesetzliche und normative Anforderung und den Lösungsvorschlag abzurufen. Für eine rasche Bearbeitung vor Ort sind Textbausteine hinterlegt. Das Ergebnis ist ein Prüfbericht, der den IST-Zustand des Gebäudes und alle Mängel, sortiert nach Dringlichkeit, aufzeigt. Mängel können in das integrierte Mängelmanagement übergeführt und weiter bearbeitet werden.

Ob und wann welche Mängel behoben werden und welche Verbesserungsmaßnahmen gesetzt werden, entscheidet der Auftraggeber. PREVERA verfolgt das Ziel, mehr aus den Checklisten und den Protokollen herauszuholen und eine Datenbasis für Managemententscheidungen zu schaffen. Die Software erlaubt es, möglichst viele Informationen zu gewinnen, um so zusätzliche, bereichsübergreifende Prozesse im Gebäudemanagement abzubilden. Dazu gehören beispielsweise Instandhaltung, Maßnahmen- und Budgetplanung, Wohnungsübergaben/-übernahmen, Brandschutz oder Reinigung.

Die anschließende Diskussion, insbesondere in Bezug auf die Herangehensweise bei historischen Gebäuden, zeigt auf, dass es sich um ein Thema mit Zündstoff und unterschiedlichen Ansätzen und Meinungen handelt.


„Wie viel digital ist genial?“  Eine Antwort auf diese Frage soll der Vortrag von Herrn DI Marc Guido Höhne von Drees & Sommer, einem Key Kunden von COOR,  liefern. Ob digitale Enthaltsamkeit und Elektronik-Overkill, beides bringt uns nicht weiter. Der richtige Mix ist des Rätsels Lösung.

BIM, modulares Bauen, IoT, Smart Office usw. sind der Status Quo der Digitalisierung in der Immobilienbranche. Herr Höhne gibt einen Ausblick auf die Zukunft und die Vernetzung der Systeme, um den höchsten Nutzen für den User zu erreichen. „Customized Smart Buildings“ vernetzt mit „Smarter Mobilität“ in einer „Blue City“ mit Einbindung von künstlicher Intelligenz sind bald Realität. Das derzeit schlauste Gebäude mit über 30.000 Sensoren steht in Amsterdam.

Herr Höhne zeigt einige Beispiele, die derzeit in Planung sind. Im Mittelpunkt stehen immer die Erwartungen der User, z.B. des Hotelgastes, des Start-Ups, des Büronutzers, des Co-Workers, des Gastronomen usw. Profiling und Nutzeranalysen sind notwendig, um die Bedürfnisse zu erkennen und danach zu handeln.

Die zunehmende Digitalisierung führt zu neuen Planungs- und Consultinganforderungen, auch für die Architektur und die TGA-Planung und macht neue Projektbeteiligte notwendig, wie beispielsweise BIM-Manager, Digitalisierungsexperten, Cyber-Sicherheits-Experten und Innovationsmanager. Hier setzt Drees & Sommer an und hat ein Innovationscenter ins Leben gerufen, dass Innovationen bündelt und gemeinsam mit dem Kunden neue Produkte und Geschäftsfelder entwickelt und somit einen spürbaren Einfluss auf die Digitalisierung der Real Estate Branche erzeugen wird.


Der finale Vortrag wurde von Herrn Thomas Zwielehner, Acht ZT und Herrn Clemens Ziermeier, ASFiNAG BMG GmbH gehalten. Unter dem Motto „BIM oder nicht BIM“ wurde durchaus selbstkritisch dargestellt, was für ein erfolgreiches BIM-Projekt relevant sei.

Bei der Betreuung unterschiedlicher Kundenprojekte wurde offensichtlich, dass von Beginn an klar sein muss, was die Ziele des Auftraggebers hinsichtlich BIM sind.

Herr Zwielehner stellte dar, dass dabei der Detaillierungsgrad mit den einzelnen Projektphasen zunimmt. Es ist essentiell, dass eine projektbezogene, allgemeingültige Datenumgebung (CDE) inklusive der BIM-Modelle für die Projektdokumentation des Auftraggebers genutzt wird.

Herr Ziermeier hat sehr lebendig gezeigt, dass ein BIM-Pilotprojekt nur so erfolgreich sein kann, wie die Zielsetzung definiert wurde. Alle Stakeholder müssten dabei an einem Strang ziehen, um die für die jeweiligen Bereiche des Asset Owners nötigen Informationen bereits in der Projektabwicklung strukturiert entstehen zu lassen.

Genannte Beispiele dafür waren der BIM Modellaustausch oder die zentrale Verteilung von Projektdokumenten in einer Datenumgebung.

 

Beim Business-Frühstück vor der Veranstaltung und während der Pause konnten sich alle Besucher in der sonnigen Sky Lobby zu ihren BIM-Erfahrungen und Digitalisierungszielen austauschen und netzwerken. Sehr deutlich konnte man feststellen, dass die grundlegende Stimmung innerhalb der Immobilienbranche sehr gut ist und die kommenden Jahre einen optimistischen Ausblick geben.

Das Fachforum planen - bauen - nutzen ging Mittag zu Ende und die Besucher haben neben wertvollen Informationen auch den einen oder anderen interessanten Neukontakt mitnehmen können.

 

Der Termin für das nächste Fachforum planen - bauen - nutzen steht bereits fest: Freitag, 31. Jänner 2020

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

Impressionen vom Fachforum 2019